A - Die Bauten

Die hier genannten Projekte, Bauten, Studien und Planungen sind ein Auszug aus den Arbeiten des Atelier 5. Sie sind als Leitbeispiele massgebend für die Entwicklung der Architektur des Büros.

B - Die Arbeit

Die Geschichte der Arbeit des Atelier 5 ist eine ­Geschichte der Ideen und Überzeugungen des Büros. Wie jede Geschichte steht sie immer in einem zeitlichen Kontext und ist entsprechend beeinflusst.

C - Das Atelier

Wie jede Geschichte ist die Geschichte des Atelier 5 eine Geschich­te von Leuten, hier der Gruppe, und eine Geschichte ­ihrer Entscheidungen und deren Folgen.

1955–1962 Atelier 5

A - Der Anfang

1955 wird das Atelier 5 von fünf jungen Architekten, Erwin Fritz, Samuel Gerber, Rolf Hesterberg, Hans Hostettler und Alfredo Pini gegründet. Vier der fünf arbeiten bei Hans Brechbühler, der in den dreissiger Jahren Mitarbeiter von Le Corbusier gewesen war. Hier entstehen die ersten Skizzen der Siedlung Halen und der Plan, ein eigenes Büro zu gründen. 1956 zieht das Atelier 5 in die alte Ryff-Fabrik an der Sandrainstrasse 3 in Bern. Der Ort, an dem es sich 2015 immer noch befindet. Die ersten Projekte werden realisiert, darunter das ­Einfamilienhaus ­Steinmann in Aarburg, das Atelierhaus Alder in ­Rothrist und das Reihenhaus Flamatt 1. Dieses bildet den Testlauf für die Häuser in der Halensiedlung. Den Architekten gelingt es, Halen 1956 mit der Hilfe von Ernst Göhner zu finanzieren. In den folgenden Jahren beherrschen die Ausführungsplanung und die Realisierung der Siedlung Halen das Atelier. ­Daneben plant das Büro das Haus Merz in Môtier, das Haus Dorta in ­Zofingen und die Reihenhäuser Flamatt 2, die «Nachläufer» der Halensiedlung.

B - Das Erbe Le Corbusiers

Der architektonische und städtebauliche Ausgangspunkt für Halen liegt in Le Corbusiers Pro­jekten für «Rob et Roc – Cap Martin» sowie der ­Berner Altstadt. Gesellschaftlich ist die Siedlung – bis heute – eine Kritik am «amerikanischen Traum» vom Einzelhaus. Halen ist das Muster einer städtischen Haltung, die auf der Figur des öffentlichen Raumes beruht, für welche die Häuser selber Rahmen und Hintergrund bilden. Diese Siedlung wird für das Atelier 5 zum Lehrstück und zur Leitlinie. Es schält sich in ihr das Prinzip des «Ensembles» heraus, bestimmt durch das Zusammenspiel von öffentlichem Raum und privatem Territorium. Auch das Atelierhaus Alder und das Reihenhaus Flamatt 1 sind Le Corbusier verpflichtet. Gleichzeitig sind es eigenständige Experimentierhäuser. Flamatt 1 ist als ein Beton-Haus konzipiert, von den Tragwänden über die Innenwände bis zur Küchenkombination. Das Haus Merz ist neben dem Haus Alder das reinste corbusieranische Haus des Atelier 5. Beide Häuser sind Lehrstücke in Plan und Schnitt. Die Reihenhäuser Flamatt 2 schliesslich reflektieren die Kritik der eigenen Arbeit in Halen.

C - Die Gründerjahre

Rolf Hesterberg, Erwin Fritz und Hans Hostettler hatten das Technikum Burgdorf beendet und arbeiteten darauf kurz bei André Sive in Paris. Alfredo Pini und Samuel Gerber studierten am Technikum in Biel. Samuel Gerber fuhr darauf zu Burle Marx nach Brasilien. Pini reiste zu Le Corbusier, der aber keine Stelle offen hatte und ihm empfahl im Büro von Hans Brechbühler anzufragen. Dort traf er auf Rolf Hesterberg, Hans Hostettler und Erwin Fritz. Pini war Brechbühlers «Liebling», Hesterberg der Bürochef, Fritz und Hostettler die Praktiker. Hier beginnt für die jungen Architekten ein enger Kontakt mit der Berner Kunstszene und dem Kunsthistoriker Paul Hofer, der an der Universität Vorlesungen über die Stadt Bern hielt und sich mit der modernen Architektur auseinandersetzte. Hans Brechbühler hatte in dieser Zeit wenig zu tun. Aus diesem Grund begannen seine Angestellten, eigene Wettbewerbe zu zeichnen und darüber nachzudenken, sich selbstständig zu machen. Sie suchten Land mit der Vorstellung für sich selber Häuser zu bauen. Dabei trafen sie auf die Waldlichtung Halen. Die Vorstellung eigener Häuser verblasste, es sollte mehr werden. Das Projekt der Halensiedlung nahm Form an. 1955 ist Samuel Gerber aus Brasilien zurückgekehrt. Das Atelier 5 wurde gegründet. Der Jüngste der Fünf war damals 23, der älteste keine 30 Jahre alt. 1956 kommt Niklaus ­Morgenthaler, 1959 Fritz Thormann dazu. Damit ist die Mannschaft vollständig.
Die ersten Jahre sind von der Arbeit an «­Halen» bestimmt. Zusammen mit dem gemeinsamen Vorbild Le Corbusier schafft dieses Projekt den Zusammenhalt der Gruppe. Ein grosser Teil der Partner und Angestellten ist unverheiratet. Partner und Angestellte haben über das Büro hinaus engen Kontakt untereinander. Die Altersunterschiede sind klein und die gesellschaftlichen Berührungspunkte gross. Es ist eine fast reine Männergesellschaft. Das Büro ist das Zuhause. Samuel Gerber sowie Niklaus ­Morgenthaler und seine Familie wohnen direkt ­neben dem Atelier. Es ist die Zeit der Feste, wo Samstag nach Wirtshausschluss das «Künstler-Bern» die Morgenthaler-Wohnung stürmt und bis spät in der Nacht die Festung hält.
Unvergesslich bleibt die Hochzeit von Fritz und Esther Thormann in der Ryff-Fabrik. Ein Zigarettenstummel setzt die am Gebäude gestapelten Alt­papierbündel im Flammen. Der chaotische Löscheinsatz der bereits angeheiterten Gäste, die durch die herbeigeeilte Feuerwehr glücklicherweise ersetzt werden, macht die Runde nur durstiger und lustiger. Ein Versuch der Polizei die Lage zu klären, geht im Hallo des Empfangs unter, woraufhin die Ordnungs­hüter achsel­zuckend die Szene verlassen und dem Fest die Nacht und den Morgen überlassen.
Die nächsten Partner im Atelier 5 sind 1959 bereits Teil des Büros. Christiane Heimgartner hatte die Bauzeichnerlehre bei Hans Brechbühler absolviert, Francesco Tomarkin arbeitete für Niklaus ­Morgenthaler. Denis Roy war Student in Lausanne. Er gibt das Studium auf und bleibt im Atelier. Zu Beginn des Jahres 1958 tritt Jacques Blumer als Praktikant ins Büro ein. Aus Karlsruhe, wo er Architektur studiert hat, kommt Ralph Gentner. Ende 1958 ­ergänzen Anatole Dufresne und Bernard Stebler die Gruppe.

1962–1968 Die Konsolidierung

A - Eine Atempause

Mit der Fertigstellung der Halensiedlung 1962 geht das Arbeitsvolumen zurück und die Belegschaft wird kleiner. Folgeaufträge in der Schweiz bleiben aus. Die Aufträge kommen weiterhin durch persönliche Beziehungen der Partner. Eine Reihe von Mehrfamilienhäusern wird geplant und gebaut: das Haus Brandt in Biel, das Mehrfamilien­haus Urtenen, das Geschäfts- und Wohnhaus an der Morillon­strasse in Bern. Dazu entstehen einige Einfamilien­häuser: das Haus Citron in Carona, das Haus Brossi in ­Gerlafingen, das Haus Möhl in ­Kerzers sowie das Holzhaus Fritz in Adelboden.
Mit den Wettbewerbseinladungen für die Ingenieurschule Biberach, die Quartierentwürfe Wertherberg und Berlin-Ruhwald sowie die Planung für ­Stein­hagen fasst das Atelier 5 ab 1964 in Deutschland Fuss. 1967 werden die Bebauungen Werther und Steinhagen realisiert. Das Haus ­Morgenthaler in Stintino ist, abgesehen vom Hause Citron in Carona, der erste Bau südlich der Alpen. Die Auftragslage in der Schweiz bleibt bescheiden, das Büro schrumpft bis auf die Partner und den Grundstamm der Angestellten, die künftigen neuen Partner.

B - Der Beginn einer eigenen Sprache

Die gemeinsame Basis der ersten Zeit ist das Projekt Halen und als Referenz gelten die Arbeiten Le ­Corbusiers. Wenn der Respekt dem Meister gegenüber auch weiterhin erhalten bleibt, so geht es nun immer weniger um formale Aspekte als vielmehr um eine Grundhaltung, die für die Aufgabe und aus der Aufgabe lebt. Es ist eine Haltung, die für die Bedürfnisse und aus den Bedürfnissen Lösungen sucht und dabei die baulichen Möglichkeiten der eigenen Zeit ausschöpft. Die praktische Arbeit an der Siedlung Halen führt zu einem besonderen Interesse am Bauprozess, an der Materialverwendung und an neuen Konstruktionen. Wichtig wird die Überprüfung des Gebauten, die Kritik an der eigenen Arbeit.
Das Mehrfamilienhaus Urtenen sowie das Wohnhaus an der Morillonstrasse in Bern thematisieren den Geschosswohnungsbau. In beiden Fällen geht es um die Überwindung der additiven Raumsequenz, die den gängigen Geschosswohnungsbau dominiert. Gesucht wird die fliessende Raumfolge.
Das Thema der Raumsequenz, der «promenade architecturale», ist bei den Häusern Carona und Möhl und besonders beim Haus Brossi evident. Das Haus Morillonstrasse experimentiert mit verschiebbaren Raumelementen und der daraus folgenden Raumaufteilung. Beim Haus Fritz in Adelboden wird der Holzbau konsequent angewendet und in Sardinien das traditionelle mediterrane Hofhaus neu interpretiert. Die Entwürfe für Wertherberg und Steinhagen sowie Berlin Ruhwald sind städtebauliches Neuland. Bewusst wird nun der von aussen kommende Einfluss wahrgenommen. Der Kongress von Otterloo öffnete damals neue Post-CIAM Wege. Die massgebenden Namen waren: Aldo van Eyck, P. und A.?Smithson, Van den Boek und Bakema, sowie Woods Candilis und Josic.

C - Die Zusammenarbeit nimmt Form an

In dieser Zeit schälen sich die Arbeitsweise und das gesellschaftliche Verhalten des Büros heraus. Die Gleichheit der Teilhaber ist das Büroprinzip. Das äussert sich zum einen in der gleichen Beteiligung, im grundsätzlich gleichen Lohn und der gleichen Haftung. Zum anderen in der gleichen Position in der Arbeit. Die unterschiedlichen Arbeitsbereiche werden als gleichwertig angesehen und manifestieren sich nicht in äusseren Zeichen. Überstunden werden nicht vergütet. Eine vorgeschriebene Arbeitszeit existiert nicht. Die ersten Angestellten werden zu niedrigen Löhnen engagiert, wobei sich die Löhne aber nicht wesentlich von denjenigen der Partner unterscheiden. In einer flachen Hierarchie werden Teams aus Partnern und Angestellten gebildet. Die Arbeiten werden laufend in Partnersitzungen diskutiert. Dort werden auch die gesamten geschäftlichen Belange behandelt. Teilaufgaben werden ad hoc formuliert und an Einzelne oder Gruppen übertragen.
Das künstlerische Umfeld in dieser Zeit wird in Bern von Namen wie Kornfeld, Hahnloser, Ida Meyer und Meret Oppenheim geprägt. Dazu kommen die jungen Künstler: «Pips» Vögeli, Bernhard Luginbühl, Franz Fedier, Rolf Iseli, Lilly Keller und die Fotografen Winkler, Rausser und Bezzola. Das Restaurant Commerce und der Keller Junkerngasse sind Treffpunkte der Szene. Ende der 60er Jahre verlassen drei der ursprünglichen Partner das Büro. Niklaus ­Morgenthaler wird Professor an der University of Illinois in Chicago. Erwin Fritz nimmt eine leitende Stelle im neuen Planungsamt des Kantons Bern ein und Samuel Gerber unterbricht seine Arbeit als Architekt, um sich dem Klavierspielen zu widmen.
1968 werden Anatole du Fresne, Ralph Gentner, Christiane Heimgartner, Denis Roy und Bernhard Stebler Partner. Dazu kommen Anfang der 70er Jahre Jaques Blumer, Christian Flückiger und Pierluigi Lanini.

1968–1975 Der Aufbruch

A - Grosse Aufträge und eine Planungsabteilung

Das Atelier 5 wird international bekannt. 1969 kommt die Einladung zum Uno-Wettbewerb in Lima Peru. Das städtebauliche Konzept des Atelier 5 obsiegt. Mit Lima ist für das Büro eine neue Phase angebrochen. Hervorgegangen aus einem Gutachterverfahren entstehen in Vaihingen die Studentenheime und die Mensa der Universität Stuttgart. Sie sind die ersten grossen Projekte des Büros ausserhalb des Arbeitsfelds Wohnungsbau. In der Schweiz werden jetzt wieder Siedlungen gebaut: die Bebauung Rainpark Brügg und die Siedlung Thalmatt 1. Etwas später folgt, als sozialer Wohnungsbau, die Lorraine in Burgdorf. Eine besondere Realisierung stellt die Bebauung im Berner Villenquartier Brunnadern dar. Es sind dies Stadtvillen wie dieser Gebäudetypus heute genannt wird. Als Prototyp ist auch die leider nicht verwirklichte Hangbebauung Bühnenberg zu bezeichnen. In Deutschland entsteht in Solingen die Siedlung Regerstrasse. Und schliesslich dürfen beim Thema Wohnen die Reihenhäuser in Caviano nicht vergessen werden. Von Bedeutung sind in dieser Periode die Wettbewerbserfolge: Dazu gehören die Wettbewerbe für die Nationalbank, für das Amthaus und für das Kunstmuseum, alle in Bern.
Das Atelier 5 wächst beträchtlich, nicht zuletzt der neuen Abteilung für «Raumplanung und Städte­bau» wegen. Diese bringt eine neue Kategorie von Arbeiten ins Büro: Regionalplanungen, Entwicklungskonzepte sowie breite Forschungsarbeiten. Wesentlich wird dabei die interdisziplinäre Zusammenarbeit: Juristen und Ökonomen, Geographen, Soziologen und Verkehrsplaner sind die Partner. Städtebauliche Aufgaben spielen eine wichtige Rolle. So wird unter anderem in den frühen 70er Jahren am Quartierentwurf Ried gearbeitet, aus dem sich in der Folge die Bebauung Ried W2 entwickeln sollte. In Solingen wird das Atelier 5 zum städtebaulichen Wettbewerb für das Zentrum von Solingen-Ohligs eingeladen und erarbeitet am gleichen Ort das Planwerk für den neuen Stadtteil Vockert-Widdert.

B - Die Marke Atelier 5

Das Atelier 5 gehört nun zu den etablierten Büros. Die Halensiedlung ist zum Ziel des Architekturtourismus geworden. Die exemplarischen architektonischen Beispiele dieser Periode sind die Mensa in Vaihingen und das Projekt für den Bühnenberg in Oftringen. Mit den Studentenwohnheimen und der Mensa werden Aufgaben einer neuen Art angegangen und eine adäquate Architektursprache wird gesucht. Der strukturelle Aufbau des Gesamtkonzepts und das Entstehen des Gesamtorganismus aus einer sein Wesen bestimmenden Zelle, ein Herausarbeiten des Ganzen aus dem Inneren, kristalisieren sich als Entwurfsprinzip heraus.
Die Mensa in Vaihingen basiert z.?B. auf der Dis­position des Esstisches, die es einer Gruppe von zehn Leuten erlaubt, noch miteinander zu kommunizieren. Diese Einheit definiert das Strukturmass. Dieses wiederum bestimmt die räumliche Ordnungseinheit der Gesamtanlage, welche entsprechend den jeweiligen lokalen Funktionen addiert, durchbrochen und in der Höhe variiert wird. Doch nicht nur bei den beiden grossen Deutschlandaufträgen gewinnt das strukturelle Denken neben der internalisierten «promenade architecturale» weiter an Bedeutung. Beim Bühnenberg ging es darum, an einem steilen Abhang eine grosse Wohnanlage zu entwerfen. Das Ziel war es, alle Häuser über ein zusammenhängendes Fussgängernetz zu erreichen und dieses so anzuordnen, dass eine optimale Aussichtslage gewährleistet wurde. Die Lösung lag in einem Staffelungssystem, das jedem Haus den Blick über das darunterliegende erlaubte, kombiniert mit einer diagonal im Hang verlaufenden Erschliessung, die den Zugang zu den Häusern ohne Treppensteigen garantierte.
Wichtig wird für das Atelier 5 nun auch in der Architektur die Zusammenarbeit mit Sonderfachleuten. Aus der Überzeugung, dass abgesehen von der üblichen technischen Begleitung, die Kompetenz des Architekten in anderen speziellen Fachbereichen nicht ausreicht, wird ein intensiver Kontakt mit dem Grafiker und Künstler Roland Gfeller, dem Fotografen Balthasar Burkhard, dem Designer Hans Eichenberger und dem Lichtspezialisten Christian Bartenbach aufgenommen. Nicht zu vergessen sind auch die beiden Künstler, Remy Zaugg und Niele Torroni.
Denkt man bei der Herausarbeitung der Marke Atelier 5 an Referenzen, so könnten der Spitalentwurf für Venedig von Le Corbusier, der Plan für die Freie Universität in Berlin von Shadrach Woods und die Mensa in Enschede von Piet Bloom herangezogen werden. Das gilt auch für den Entwurf der Architekten Woods Candilis und Josic für Toulouse le Miraille. Beim Wettbewerb ­Ruhwald-Charlottenburg und der Bebauung Rainpark Brügg ist der letztgenannte Einfluss sichtbar.

C - Die Büroform verfestigt sich

Mit den Auslandsaufträgen und Wettbewerbserfolgen der frühen 70er Jahre sowie der Gründung der Abteilung für Raumplanung und Städtebau wächst die Belegschaft des Büros auf 75 Personen. Die Planungsabteilung bezieht eigene Räumlichkeiten in
einem Nebenbau der Fabrik und erhält eine eigene Infrastruktur. Sie kontrolliert die eigenen Geschäfte und erhält eine eigene Abteilungsstruktur. Für das Büro bedeutete die Gründung der Planungsabteilung ein Öffnen nach Aussen und ein Engagement – auch politischer Art – durch einen Teil der Partner. Das Atelier 5 ist in den folgenden Jahren in verschiedenen städtischen Fachkommissionen vertreten. Es nimmt Leitungsfunktionen in den Fachvereinen ein und hat Einsitz in der Redaktionskommission von Werk/Bauen und Wohnen. Alfredo Pini und Denis Roy sind auf der Seite der Architektur engagiert, Fritz Thormann, Rolf Hesterberg und Jacques Blumer auf der Seite der Planungsabteilung. Bürointern äussert sich das erweiterte Interesse im Aufbau einer umfassenden Fachbibliothek und einer breiten Bild-Dokumentation.
Das Wachstum des Büros und die neue Abteilung führen zu einer Formalisierung der Geschäftsstruktur und der Arbeitsweise:
–    Das Gesamtbüro erhält eine Leitung die aus zwei Partnern und einem Geschäftsführer, Christian Flückiger besteht. Dieses «Management» wird auf zwei Jahre gewählt. Daneben wird eine Reihe von Arbeitsgruppen ins Leben gerufen. Verantwortlich für die Arbeitsgruppen sind jeweils ein bis zwei Partner.
–    Projekte werden von immer wieder anders zusammengesetzten Teams bearbeitet. In jedem Team gibt es zwei Partner, von denen einer bis zum Abschluss aller Arbeiten den Auftrag verfolgt. Die Projekte müssen in der Entwurfsphase den Partnern und etwas später dem Gesamtbüro vorgestellt werden. Über den Einfluss einer entsprechenden Kritik entscheidet das Team, welches autonom ist.
–    Formalisiert wird die Entlohnung. Basis bildet eine Lohnkurve, die in Funktion des Alters gebildet wird. Sie verläuft flach in den unteren Jahren steigt dann in den 30er und 40er stark an und flacht weiter oben wieder ab. Diese Kurve gilt für Partner wie Angestellte. Überlagert wird die Kurve mit einem Erfahrungszuschlag. Dabei bewegt sich die Zuschlagschere aber lediglich im Bereich von ca. 10% des Kurvenlohnes.
–    Bestimmt wird weiter der Auftritt des Büros in Publikationen. Wurden bis anhin, insbesondere bei Wettbewerben die Bearbeiter genannt, gilt nun das alleinige Nennrecht «Atelier 5» sowohl für die Projekte und Wettbewerbe als auch für Texte, die für das Büro verfasst werden. So wird es für jeden möglich, aber auch verbindlich, sich mit allen Arbeiten des Ateliers zu identifizieren. Diese Büro- und Arbeitsstruktur bleibt für die nächsten 25 Jahre erhalten.

Das Atelier 5 beginnt unübersichtlich zu werden. Die Grösse der Arbeitsbereiche und die Belastung durch die vielen neuen Aufgaben schaffen Probleme für den Zusammenhalt des Büros. Die beiden Grossaufträge in Deutschland und das Wachstum der Planungsabteilung führen dazu, dass sich selbständige Untergruppen bilden, welche die Projekte, an denen sie arbeiten «privatisieren». Mitte der siebziger Jahre wird, angestossen von der Planungsabteilung, eine Bürozeitung herausgegeben. Das Blatt soll die Tendenz zur Spaltung zwischen Architektur und Planung – die in dem Moment durchaus möglich gewesen wäre – verhindern. Der Versuch Bürozeitung hat allerdings wenig Erfolg und wird nach sechs Nummern aufgegeben.
Im Gegensatz dazu ist das zweitägige Bürofest «20 Jahre Atelier 5» im Sommer 1975 für den Zusammenhalt ein grosser Erfolg. Dieses Ereignis begründete eine eigentliche Festtradition, die mit dem Fest zum 30sten an gleicher Stelle, dem Fest auf dem Gurtenareal zum 40sten im Jahr 2000, dem 50-Jahre-Fest in der Kunsthalle und dem 60-Jahre-Fest in der alten EWB Zentrale an der Aare gefestigt werden. Zudem bringen mehrtägige «Bildungsreisen» und Besuche bei Kollegen das Büro enger zusammen. In den 80er und 90er Jahren die ­Hollandreise zur ­klassischen Moderne und den Kollegen van ­Klingeren und ­Hertzberger, die Parisreise mit den Passagen und dem Centre Pompidou, die Barcelona­reise zu den neuen Plätzen von ­Barcelona, zu Sert, Mirailles und den vielen Bars sowie die London­reise zu den Bauten von Foster und Rogers.
Mit der Realisierung der Siedlung Thalmatt 1 wird die Finanzgesellschaft AFIA (Aktiengesellschaft für Immobilien-Anlagen) ins Leben gerufen. Ein Instrument, mit dessen Hilfe eigene Wohnbauprojekt des Büros realisiert werden sollten und das sich in der Folge und bis heute sehr bewährt hat.